Mittwoch, 29. Oktober 2014

Mulled Cider - Der Glühwein-Konkurrent

Aspall - mulled Cider with a delicious Citrus Finish
Im Sommer ist Cider ein idealer Durstlöscher mit nicht allzuviel Alkohol (vorausgesetzt, es ist die richtige Sorte). Doch erst im Herbst und Winter entfaltet Cider seine heimlichen Stärken: Dann sind die aromatischen, voluminösen Sorten gefragt, z.B. der Gold Medal von Gwynt y Ddraig oder der Still Cider von Henneys. Apropos Still Cider: der ist eine gute Grundlage für den sogenannten Mulled Cider. So bezeichnet man gewürzte Cider, die heiß getrunken werden sollten.

Aspall zum Beispiel bietet einen vorgemischten Mulled Cider an, mit einem hervorragenden Citrus-Orangen-Finish - absolut empfehlenswert und zur Zeit in der 10l-bag-in-box bei Cider and more erhältlich.

Alternativ kann man den Mulled Cider natürlich auch selbst ansetzen, hier nur einer von vielen Rezept-Vorschlägen:



Zutaten für 4 Becher:
  • 1 Liter Cider (medium/sweet, ideal sind die Still Cider aus den 3-l-bag-in-boxes) 
  • 2 Stangen Ceylon-Zimt 
  • 8 Nelken 
  • 4 Sternanis 
  • 8 Teelöffel Honig
Cider in einen Topf geben, zusammen mit den Gewürzen. Am besten packen Sie die Gewürze in einen Gewürzbeutel, allerdings sind die in Deutschland nur schwer zu bekommen. Ansonsten den Punsch zum Schluss durch ein Sieb abseihen. Honig dazugeben. Das Ganze erwärmen, nicht kochen. Regelmäßig umrühren, damit sich der Honig verteilt. Frisch servieren, evtl. mit frisch geschlagener Sahne garnieren.

Wenn's stärker sein soll, kann man mit der Zugabe von Apfelbrandy bzw. Calvados (ersatzweise Rum) experementieren - oder mit der Zugabe von Orangenlikör - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. So macht auch der Winter Spaß!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Der Hamburg-Effekt - oder warum wir noch immer keine skandinavischen "Cider" verkaufen


Neulich ein paar Tage in Hamburg verbracht und in die Edekas vor Ort geschaut. Und siehe: Dort gibt es laut meiner nicht repräsentativen Marktforschung tatsächlich Cider. Ich habe neben einem Cider aus Irland insbesondere skandinavische Ware entdeckt: aus Schweden und vor allem aus Dänemark. Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, muss ich gerade zufällig an Rekorde denken, die man im Sommer aufstellt.
 

Wer wagt, gewinnt - oder auch nicht

Man muss nehmen, was man kriegt, sprach der eingefleischte Englandfan, und da ich mich in einer weltoffenen Metropole befand (und nicht in einem süddeutschen Weltdorf), beschloss ich, den Skandinaviern erneut eine Chance zu geben - und das war ein Fehler.

Verdünnter Kunst-Cider

Zuerst den Apple-Cider aus Dänemark getestet. Elendig süß, in einer mickrigen 0,33l-Dose, dazu fliegen einem die Aromastoffe förmlich um die Nase, sobald die Dose auf ist. Ein Kunstprodukt durch und durch. Es ist zwar kein Geheimnis, dass auch etliche englische Cider - gerade von großen Herstellern - mit Wasser und Industriezucker "aufgepeppt" werden, weshalb man gerne auch vom "Apfelschorle für Erwachsene" spricht. Doch die Zutatenliste des "Apple-Cider" ist ein Hingucker für sich:
 
Apfelwein (der folgendermaßen definiert wird: Wasser, Glucosesirup, Apfelsaft-Konzentrat - also das, was einen englischen Industriecider ausmacht), außerdem: Zucker, nochmals konzentrierter Apfelsaft, Kohlendioxid, Säuerungsmittel (Zitronensäure), natürliche Aromen, Konservierungsmittel (Kaliumsorbat - oder so ähnlich, ich konnte es nicht genau entziffern, weil so klein geschrieben), Farbstoff Ammoniak-Zuckerkulör.

 

Laut vieler Hersteller am besten mit Eis betäuben 

Und genauso, wie es sich liest, hat es auch geschmeckt - finde ich zumindest. Deshalb wahrscheinlich der peppig-flockige Vorschlag, das Ganze eisgekühlt zu kippen, das betäubt den Geschmacksnerv. Puritaner mögen vielleicht einwerfen, dass auch klassischer Cider nunmal kein Apfelwein in unserem Sinne ist, sondern ein Weinmischgetränk. Was soll man dann erst zum "Apple-Cider" aus Dänemark sagen? Hier wird der Cider nochmal ordentlich runterverdünnt und zusatzstoffversetzt, sodass unterm Strich nur noch ein Minimum an natürlichem Apfel (und auch nur an Konzentrat) enthalten ist. Ein "Apfelwein", der mit Apfelaroma versetzt werden muss, damit es nach Apfel schmeckt - abgefahren!

Für mich ist das unterm Strich jedenfalls ungefähr so, als würde man ein aromatisiertes Fruchtweinmischgetränk (Stichwort Maibowle) aus dem hiesigen Supermarkt unter dem Oberbegriff "Wein" labeln. 

Aber man ist ja hart im Nehmen: also noch die Sorten Ginger Lemon, Elderflower Lime und den Passionfruit-Cider aus Schweden probiert. Schmeckte alles ähnlich interessant wie der "Apple-Cider". Übrigens waren in den Produkten laut Zusatzliste weder Spuren von Elderflower (Holunder), Ginger (Ingwer) oder Passionfruit enthalten. Ich persönlich würde ja einen Hauch dieser Zutaten zugeben, damit man's wenigstens auf dem Etikett mit angeben kann. 

 

Gnadenlos ehrlich - wenn man es nur lesen könnte 

Apropo Etikett - einen Vorteil haben die Skandinavier: Sie geben wenigstens sämtliche Inhaltsstoffe an (im Gegensatz zu den meisten britischen Herstellern, die daraus ein ähnliches Geheimnis machen wie seinerzeit um den heiligen Gral), allerdings in einem derart kleinen Schriftformat, dass es auch mit Brille nur bei hellem Tageslicht halbswegs ordentlich gelesen werden kann - im abendlichen Hotel bei Zimmerlicht hatte ich ernsthafte Schwierigkeiten ... 

 

Cider - ein Universalbegriff 

Jedenfalls scheint der Begriff "Cider" nicht geschützt zu sein - eine tolle Sache: Jeder produzent kann das augenscheinlich so vermarkten (und größtenteils auch herstellen), wie er möchte - und jeder Kunde darf sich was anderes drunter vorstellen - wie praktisch! Vom skandinavischen Limonaden-alko-pop über diverse deutsche Streuobstwiesen-Cider (die rein geschmacklich mit klassisch-englischem Cider eher wenig zu tun haben) bis hin zu traditionellem Craft-Cider aus Somerset und Herefordshire.

Der geneigte Leser ahnt sicher, zu welcher Richtung wir von Cider and more tendieren. Oberster Grundsatz: Wir versuchen, eine möglichst große Bandbreite des britischen Cider-Sortiments im Sortiment wiederzuspiegeln – dazu gehören auch die stylischen Fruchtcider von Brothers, bei denen wir zugegebenermaßen auch nicht so recht wissen, was eigentlich drin ist. Aber das, was die Skandinavier da zum Großteil produzieren: Das ist nochmals eine Nummer für sich und meiner Ansicht nach eine Verballhornung des Begriffs "Cider". Und wenn jemand vor allem damit wirbt, wie toll das verwendete Quellwasser ist, dann ist das schon etwas seltsam. Ich halte es eher für selbstverständlich, dass das verwendete Wasser einwandfrei ist.

Und somit dürfte geklärt sein, warum wir von Cider and more Skandinavier außen vor lassen - Cheers!