Donnerstag, 4. Dezember 2014

Thatchers Cider: Das Sortiment wird eingedampft

Wie lange bei Thatchers darüber gegrübelt wurde, ist mir unklar - aber die Umsetzung erfolgte im Herbst ratzfatz: Die Sorten "Coxs", "Mixed Fruit" und "Pear" wurden aus dem Sortiment genommen, quasi von jetzt auf gleich. Auch ein Nachbestellen von Restposten war nicht mehr möglich. Warum aber diese Entscheidung? Zumal insbesondere der "Pear" bei uns recht beliebt war unter den Kunden - und ich persönlich mit dem feinen, süß-aromatischen Geschmack des "Coxs" sehr viel anfangen konnte ...


Obst aus Eigenanbau

Die Begründung: Thatchers will möglichst unabhängig von fremden Obsterzeugern sein - und die Äpfel und Birnen der obigen Sorten wurden bislang mehr oder weniger zugekauft - damit soll jetzt Schluss sein. Einerseits eine konsequente und logische Denkweise - andererseits fragt man sich, warum Thatchers den "Mixed Fruit" vor rund zwei Jahren überhaupt noch auf den Markt gebracht hat.

Achterbahnfahrt in Sachen Markenkultur

Der Ciderberry
So richtig ist mir bis heute nicht klar, wohin Thatchers steuern will. Als ich 2011 vor Ort war, wurden der "Katy Rosé" und der Ciderberry in den vergleichsweise edlen 0,75l-Flaschen gepuscht, speziell für die Damenwelt. Der Spuk dauerte ca. ein Jahr, dann verschwanden die großen Flaschen. Den "Rosé" gibt's immer noch in der kleinen Flasche, der "Ciderberry" wurde durch den sehr viel süßeren "Mixed Fruit" ersetzt.

Zwischenzeitlich wurde der "Vintage" neu aufgelegt und mit einem edlen Label versehen, was auch bei Katy, Coxs, Rosé und Pear der Fall war, nicht aber bei den Klassikern Gold, Green Goblin und Oldd Rascal - es gab in Sachen Design also ein Label-Mischmasch, das bis heute anhält. Vielleicht ist das ganz gut so, denn was gibt es am Goblin-Design zu verbessern ...

Gar nicht nach Deutschland geschafft hatte es der "Prince William" - vor knapp zwei Jahren eingeführt inzwischen ebenfalls wieder vom Markt genommen - da der nicht für den Export gedacht sei, sagte man mir und schaltete auf stur. (Nicht einmal ein paar Fläschen zum Probieren gab es, und ich dachte immer, Somerset gehört nicht zu Schottland) Warum man da nicht ein paar Lagen exportieren konnte, wollte mir beim besten Willen nicht einleuchten.

Fürs kommende Jahr sollen zwei neue Sorten auf den Markt kommen, mal sehen, was daraus wird ...bleibt zu hoffen, dass Thatchers nicht an den wirklich wichtigen Sorten rumschustert: Gold, Green Goblin und Old Rascal. Hauptsache, der Cider schmeckt, und das ist bei Thatchers auf jeden Fall der Fall - Cheers!

Übrigens: ein bisschen was von den Ausgemusterten ist noch auf Lager ... also zuschlagen!

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Mulled Cider - Der Glühwein-Konkurrent

Aspall - mulled Cider with a delicious Citrus Finish
Im Sommer ist Cider ein idealer Durstlöscher mit nicht allzuviel Alkohol (vorausgesetzt, es ist die richtige Sorte). Doch erst im Herbst und Winter entfaltet Cider seine heimlichen Stärken: Dann sind die aromatischen, voluminösen Sorten gefragt, z.B. der Gold Medal von Gwynt y Ddraig oder der Still Cider von Henneys. Apropos Still Cider: der ist eine gute Grundlage für den sogenannten Mulled Cider. So bezeichnet man gewürzte Cider, die heiß getrunken werden sollten.

Aspall zum Beispiel bietet einen vorgemischten Mulled Cider an, mit einem hervorragenden Citrus-Orangen-Finish - absolut empfehlenswert und zur Zeit in der 10l-bag-in-box bei Cider and more erhältlich.

Alternativ kann man den Mulled Cider natürlich auch selbst ansetzen, hier nur einer von vielen Rezept-Vorschlägen:



Zutaten für 4 Becher:
  • 1 Liter Cider (medium/sweet, ideal sind die Still Cider aus den 3-l-bag-in-boxes) 
  • 2 Stangen Ceylon-Zimt 
  • 8 Nelken 
  • 4 Sternanis 
  • 8 Teelöffel Honig
Cider in einen Topf geben, zusammen mit den Gewürzen. Am besten packen Sie die Gewürze in einen Gewürzbeutel, allerdings sind die in Deutschland nur schwer zu bekommen. Ansonsten den Punsch zum Schluss durch ein Sieb abseihen. Honig dazugeben. Das Ganze erwärmen, nicht kochen. Regelmäßig umrühren, damit sich der Honig verteilt. Frisch servieren, evtl. mit frisch geschlagener Sahne garnieren.

Wenn's stärker sein soll, kann man mit der Zugabe von Apfelbrandy bzw. Calvados (ersatzweise Rum) experementieren - oder mit der Zugabe von Orangenlikör - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. So macht auch der Winter Spaß!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Der Hamburg-Effekt - oder warum wir noch immer keine skandinavischen "Cider" verkaufen


Neulich ein paar Tage in Hamburg verbracht und in die Edekas vor Ort geschaut. Und siehe: Dort gibt es laut meiner nicht repräsentativen Marktforschung tatsächlich Cider. Ich habe neben einem Cider aus Irland insbesondere skandinavische Ware entdeckt: aus Schweden und vor allem aus Dänemark. Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, muss ich gerade zufällig an Rekorde denken, die man im Sommer aufstellt.
 

Wer wagt, gewinnt - oder auch nicht

Man muss nehmen, was man kriegt, sprach der eingefleischte Englandfan, und da ich mich in einer weltoffenen Metropole befand (und nicht in einem süddeutschen Weltdorf), beschloss ich, den Skandinaviern erneut eine Chance zu geben - und das war ein Fehler.

Verdünnter Kunst-Cider

Zuerst den Apple-Cider aus Dänemark getestet. Elendig süß, in einer mickrigen 0,33l-Dose, dazu fliegen einem die Aromastoffe förmlich um die Nase, sobald die Dose auf ist. Ein Kunstprodukt durch und durch. Es ist zwar kein Geheimnis, dass auch etliche englische Cider - gerade von großen Herstellern - mit Wasser und Industriezucker "aufgepeppt" werden, weshalb man gerne auch vom "Apfelschorle für Erwachsene" spricht. Doch die Zutatenliste des "Apple-Cider" ist ein Hingucker für sich:
 
Apfelwein (der folgendermaßen definiert wird: Wasser, Glucosesirup, Apfelsaft-Konzentrat - also das, was einen englischen Industriecider ausmacht), außerdem: Zucker, nochmals konzentrierter Apfelsaft, Kohlendioxid, Säuerungsmittel (Zitronensäure), natürliche Aromen, Konservierungsmittel (Kaliumsorbat - oder so ähnlich, ich konnte es nicht genau entziffern, weil so klein geschrieben), Farbstoff Ammoniak-Zuckerkulör.

 

Laut vieler Hersteller am besten mit Eis betäuben 

Und genauso, wie es sich liest, hat es auch geschmeckt - finde ich zumindest. Deshalb wahrscheinlich der peppig-flockige Vorschlag, das Ganze eisgekühlt zu kippen, das betäubt den Geschmacksnerv. Puritaner mögen vielleicht einwerfen, dass auch klassischer Cider nunmal kein Apfelwein in unserem Sinne ist, sondern ein Weinmischgetränk. Was soll man dann erst zum "Apple-Cider" aus Dänemark sagen? Hier wird der Cider nochmal ordentlich runterverdünnt und zusatzstoffversetzt, sodass unterm Strich nur noch ein Minimum an natürlichem Apfel (und auch nur an Konzentrat) enthalten ist. Ein "Apfelwein", der mit Apfelaroma versetzt werden muss, damit es nach Apfel schmeckt - abgefahren!

Für mich ist das unterm Strich jedenfalls ungefähr so, als würde man ein aromatisiertes Fruchtweinmischgetränk (Stichwort Maibowle) aus dem hiesigen Supermarkt unter dem Oberbegriff "Wein" labeln. 

Aber man ist ja hart im Nehmen: also noch die Sorten Ginger Lemon, Elderflower Lime und den Passionfruit-Cider aus Schweden probiert. Schmeckte alles ähnlich interessant wie der "Apple-Cider". Übrigens waren in den Produkten laut Zusatzliste weder Spuren von Elderflower (Holunder), Ginger (Ingwer) oder Passionfruit enthalten. Ich persönlich würde ja einen Hauch dieser Zutaten zugeben, damit man's wenigstens auf dem Etikett mit angeben kann. 

 

Gnadenlos ehrlich - wenn man es nur lesen könnte 

Apropo Etikett - einen Vorteil haben die Skandinavier: Sie geben wenigstens sämtliche Inhaltsstoffe an (im Gegensatz zu den meisten britischen Herstellern, die daraus ein ähnliches Geheimnis machen wie seinerzeit um den heiligen Gral), allerdings in einem derart kleinen Schriftformat, dass es auch mit Brille nur bei hellem Tageslicht halbswegs ordentlich gelesen werden kann - im abendlichen Hotel bei Zimmerlicht hatte ich ernsthafte Schwierigkeiten ... 

 

Cider - ein Universalbegriff 

Jedenfalls scheint der Begriff "Cider" nicht geschützt zu sein - eine tolle Sache: Jeder produzent kann das augenscheinlich so vermarkten (und größtenteils auch herstellen), wie er möchte - und jeder Kunde darf sich was anderes drunter vorstellen - wie praktisch! Vom skandinavischen Limonaden-alko-pop über diverse deutsche Streuobstwiesen-Cider (die rein geschmacklich mit klassisch-englischem Cider eher wenig zu tun haben) bis hin zu traditionellem Craft-Cider aus Somerset und Herefordshire.

Der geneigte Leser ahnt sicher, zu welcher Richtung wir von Cider and more tendieren. Oberster Grundsatz: Wir versuchen, eine möglichst große Bandbreite des britischen Cider-Sortiments im Sortiment wiederzuspiegeln – dazu gehören auch die stylischen Fruchtcider von Brothers, bei denen wir zugegebenermaßen auch nicht so recht wissen, was eigentlich drin ist. Aber das, was die Skandinavier da zum Großteil produzieren: Das ist nochmals eine Nummer für sich und meiner Ansicht nach eine Verballhornung des Begriffs "Cider". Und wenn jemand vor allem damit wirbt, wie toll das verwendete Quellwasser ist, dann ist das schon etwas seltsam. Ich halte es eher für selbstverständlich, dass das verwendete Wasser einwandfrei ist.

Und somit dürfte geklärt sein, warum wir von Cider and more Skandinavier außen vor lassen - Cheers!

Dienstag, 2. September 2014

Im Kommen: Bierbrauer machen in Cider

Der Cidermarkt wächst und gedeiht - man könnte auch von einem Boom sprechen, würde dieses nette kleine Wort nicht gerne überstrapaziert. Zumindest behauptet das die NACM, die National Association of Cidermakers, und prognostiziert bis 2018 einen Umsatzwachstum von 17% in Großbritannien sowie weitere massive Zuwächse rund um den Globus - uns von Cider and more soll's recht sein ...

Nicht zuletzt mittelständische Hersteller wie Westons, Aspall oder Thatchers beflügeln diese Entwicklung und verhelfen dem Cider zu einem neuen Image, das aus dem Schatten von Heinken und Co. treten soll.

Cider, der Cidre heißt und aus Belgien kommt


Kein Wunder also, dass auch der ein oder andere Bierbrauer auf den Ciderzug aufspringt, um sich am hartumkämpften Markt zu behaupten. Prominentes Beispiel: Stella Artois produzieren einen sogenannten Cidre, der in UK mit einigem Erfolg vertrieben wird. Die Frage ist, ob so etwas wirklich in UK vertrieben werden muss.

Gelungener Retro-Look bei Carling


Es gibt aber auch andere Beispiele: Carling zum Beispiel verhilft dem Cider zu einem 50-Jahre Retro-Image - jedenfalls gefällt mir die Flasche hervorragend, sie hebt sich angenehm vom Mainstreamdesign ab. Allerdings ist er nicht jedermanns Geschmack: Er schmeckt, als wäre er aus Coxs und Granny Smith gewonnen, und über allem schwebt der süßliche Verdacht von Aromastoffen.


Dass es auch handfest-traditionell geht, zeigen die Hogs Brewery, die in Cooperation mit Thatchers einen Cloudy auf den Markt geworfen haben, der aber nicht scrumpy ist: tiefgolden & zu 100 Prozent bittersweet.



Premium-Cider von Hogs und Moles


Mein Favorit unter den Bierbrauern: Der Black Rat Cider der Moles Brewery. Klar, urwüchsig, ohne Schnick-Schnack, mit einem starken, lang anhaltenden Abgang, in dem die Tannine voll zur Geltung kommen. Dass er im Prinzip fast genau schmeckt wie der Somerset Draught von Sheppy's, die gleiche Flaschenform aufweist und aus Somerset stammt, deutet ebenfalls auf eine Kooperation hin.

Und nicht vergessen: fast alle hier genannten Cider gibt's natürlich auch bei Cider and more - einfach durchprobieren ...

Freitag, 18. Juli 2014

Cider Poems - Part two

“It's time to walk to the cider mill
Through air like apple wine,
And watch the moon rise over the hill,
stinging and hard and fine.
It's time to cover your seed pods deep
And let them wait and be warm.
It's time to sleep the heavy sleep
That does not wake for the storm.
Winter walks from the green, streaked West
With a bag of Northern Spies,
The skins are red as a robin’s breast,
The honey chill as the skies.”

Stephen Vincent Benét, John Brown’s Body

Freitag, 4. Juli 2014

Rezept: Himbeer-Schaum mit Portwein

Passend zur Himbeerzeit ein original englischer Nachtisch - ausnahmsweise ohne Cider.

Zutaten (4-6 Portionen):
  • 3 Eigelb
  • 150g Zucker
  • 250g Himbeeren (frisch oder tiefgefroren)
  • Saft einer ½ Zitrone
  • 6 Blatt Gelatine
  • 50ml Portwein
  • 200g Sahne
  • 1 EL gehackte Pistazien
Zubereitung:
Die Eier trennen und das Eigelb mit dem Zucker in einer Schüssel über einem heißen Wasserbad sehr schaumig aufschlagen.
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Variante mit frischen Himbeeren:


Die Himbeeren verlesen, kurz abbrausen und abtropfen lassen. Einige Himbeeren für die Dekoration zur Seite legen. Restliche Himbeeren mit dem Zitronensaft pürieren und anschießend durch ein Sieb streichen. Die Kerne machen die feine Creme ansonsten "körnig".

Die Gelatine in kaltem Wasser ca. 5min. einweichen. Das Himbeermark in einen Topf geben, erhitzen und die tropfnasse Gelatine im heißen Himbeermark auflösen. Vom Herd nehmen, den Portwein unterrühren und etwas abkühlen lassen.

Variante mit gefrorenen Himbeeren:

Einige schöne Himbeeren für die Dekoration beiseitelegen. Die restlichen Himbeeren mit dem Saft einer halben Zitrone in einen Topf geben, langsam erwärmen und zu Muß kochen. Das Himbeermark durch ein Sieb streichen und so weiterverarbeiten wie bei der Variante mit den frischen Himbeeren angegeben.

Die Himbeer-Portwein-Mischung unter die Eiercreme rühren. Die Sahne steif schlagen und währenddessen den Himbeerschaum kalt stellen. Die Sahne unter die Creme ziehen. Den Himbeerschaum im Kühlschrank, am besten über Nacht, fest werden lassen.

Creme mit gehackten Pistazien bestreuen und mit Himbeeren verzieren.

Freitag, 6. Juni 2014

Cider Poems - Part one

Zeit wird's für eine neue Blog-Reihe: Nachdem wir letztes Jahr unsere Cider-and-more-AllStars präsentiert haben, wollen wir heuer der literarischen Ader frönen - natürlich rund um den Cider. Einläuten wollen wir die lockere Reihe mit einigen kurzen Bemerkungen eines großen amerikanischen Staatsmannes und Freidenkers, der bekennender Cider-Liebhaber war: Benjamin Franklin.

“Never praise your cyder, horse, or bedfellow.”

“Give me yesterday’s bread, this day’s flesh, and last year’s cyder.”


“He that drinks his cyder alone, let him catch his horse alone.”

     Benjamin Franklin, Poor Richard's Almanack


Und Franklin stand nicht allein da mit seiner guten Meinung über Cider: auch John Adams, zweiter Präsident der USA, teilte sie:

“In conformity to the fashion, I drank this morning and yesterday morning about a gill of cider; it seems to do me good.”


Freitag, 25. April 2014

Tequila Cider - aber ohne Tequila

Habe neulich mal wieder rumgestöbert, was es Neues gibt in Sachen Cider, schließlich verlangt der "Markt" ständig nach neuem. Wobei es unverfroren wäre, in Deutschland bereits von einem Cidermarkt sprechen zu wollen, zumindest nicht in dem Sinne, wie das raffgierige Großkonzerne definieren würden, um bei potentiellem Vorhandensein besagten Marktes diesen mit ihren fadenscheinigen Produkten zu überschwemmen ... aber ich schweife ab.

Wie gesagt, beim durchstöbern diverser "Cider-Märkte" stieß ich auf den "Perro Loco Tequila Flavoured Cider" - das klang schon mal recht spannend, wobei das Wort "Flavoured" in der ersten Euphorie, die Entdeckern zu eigen ist, irgendwie untergegangen sein muss. Der geneigte Leser ahnt es schon: In der Brühe ist alles mögliche drin, nur kein Tequila (und was den Cider betrifft, bin ich mir auch nicht sicher, ob der das Gelbe vom Apfel ist).

Dabei klingt das ganze wirklich spanisch-authentisch: "Perro Loco" - wobei, wenn uns unser Sprachcomputer nicht täuscht, "Perro" unter anderem "gemein", "Hund", "Jude" oder "Maure" heißen kann - und "loco" soviel wie "wahnsinnig" oder "verrückt". "Mad Dog" also, wenn man das ganze möglichst vorteilhaft übersetzen will - in der Tat ein genialer Name für einen Tequila-Cider ohne Tequila.

Was aber ist drin in diesem Cider? Laut Hersteller ist es "lemon and tequila flavour" - wer es nicht wissen sollte: Flavour heißt übersetzt Aromastoff - und ein Schuss Katussyrup (agave nectar). Hergestellt wird das ganze von Brothers in UK, die von jeher für ihre Birnenfruchtcider berühmt-berüchtigt sind (Wieviel Frucht bei Brothers tatsächlich enthalten ist, wissen wir übrigens auch nicht).

Da stellt sich dem Dorfmichel aus dem Schwabenländle die Frage: Warum ist im Tequila-Cider kein Tequila drin? Ein kleiner Schuss echten Agaven-Schnapses pro halbem Liter Cider, das wird doch nicht die Welt kosten? Man kann nur Vermutungen anstellen - die wahrscheinlichste dürfte sein, dass in UK Getränke, die Spirituosen enthalten, heftiger besteuert werden als leichte Alkoholika - ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht.

Was ich aber weiß: Tequila-Cider ohne eine Spur von Tequila, das ist einfach nur Blödsinn (keine Ahnung, wie es sich beim Tequila-Bier verhält). Aber wie Eingangs erwähnt, der Markt schreit ja angeblich immer wieder nach neuem, und Tequila war irgendwie schon immer hip (warum eigentlich?).

So schaut er aus, der Tequila-Cider ohne Tequila.
Und was meint Consumer Marketing Manager Cheryl Sheppard von Brothers zum Produkt? Ich zitiere: “More lager drinkers are switching to cider, and with the rising popularity of brands such as Desperados, it’s time for cider to deliver something even more refreshing to the category.” Erreicht werden soll außerdem primär der Markt der 18-34jährigen Trinker - wen wundert's. Irgendwie hat man jedoch auch den Eindruck, dass den Jungs von Brothers der "Tequila Flavoured Cider" selbst ein bisschen peinlich ist, denn die Flasche selbst gibt erst einmal keinen vordergründigen Hinweis, dass Brothers dahinter steckt.

Kurzum: Da will also jemand auf der Desperados-Welle mitschwimmen, Kohle machen und auf Teufel komm raus Marktanteile abgreifen, so schaut's doch aus. Das das ganze mit authentischem Cider rein gar nichts mehr zu tun hat, ist scheinbar zweitrangig. Und darum kommt dieses Produkt auch nicht ins Sortiment von Cider and more, schließlich bieten wir auch keine skandinavischen Alkopops auf Cider-Basis an, schon aus Prinzip nicht. Wer wirklich den Alkohol-Kick sucht, dem schlage ich vor: ein Schuss Calvados oder Apple Brandy auf ein Glas wirklich guten Cider kippen, z. B. Gwynt y Ddraig Gold Medal - und genießen - Cheers!

Samstag, 19. April 2014

Orchard Cider: Schweinisches mit Tradition

Nicht nur unseren Stammkunden ist es mittlerweile aufgefallen: Bei Cider and more gibt es jetzt auch Schweinekram, und zwar von der besonders wohlschmeckenden Art: Zwei neue Cider-Sorten sind im Sortiment zu finden. Der Hazy Hog Cider der Hogs Back Brewery sowie ein besonderer Leckerbissen: Der Orchard Pig Reveller Cider.

Hazy Hog & Orchard Pig Cider


Bei beiden Sorten steht die Sau wortwörtlich im Vordergrund. Was aber haben Säue mit Cider zu tun? Keine Sorge - was die Herstellung betrifft, erstmal gar nichts. Traditionelle englische Orchards (Stamm-Obstgärten) wurden früher jedoch oft als Schweineweide genutzt - wobei sich die Viecher gerne auch mal das faulige, angegärte Fallobst schmecken ließen. So manche Geschichte ist vor Ort im Umlauf, die von Säuen berichtet, die nach dem Verzehr des Fallobstes angeblich durch die Gegend torkelten. Abgesehen von diesen fast schon menschlichen Anekdoten konnte man die Schweine praktischerweise mit dem "Pulp" füttern, also mit den Resten der Apfelpressung.

Wir von Cider and more sind nicht nur wegen dieser tierischen Vorgeschichte stolz darauf, diese beiden neuen Cider im Sortiment anbieten zu können: Beide Cider stammen von relativ kleinen Herstellern aus Somerset, insbesondere Orchard Pig hat sich in Fachkreisen inzwischen einen Ruf als hervorragender Cider-Hersteller erworben, der dem " Honest-to-the-core Cider" verpflichtet ist, sprich: Grundsolider Farmhouse-Cider ohne künstlichen Schnick-Schnack. Am besten einfach mal beide Sorten probieren - und sich dabei sauwohl fühlen ...

Freitag, 14. März 2014

Eis-Cider aus Quebec: exklusiv und teuer

Eis-Cider ist im kanadischen Quebec eine Spezialität, von der jährlich nur wenige tausend Liter hergestellt werden. Einen aktuellen, empfehlenswerten Bericht dazu gibt es bei Spiegel-Online, den wir an dieser Stelle weiterempfehlen möchten:

Eis-Cidre aus Kanada: Ist der süß
(spiegel.de)

Wer selber einmal Eis-Cider unkonventionell und auf die schnelle probieren möchte: Den Cider (am besten stillen Cider nehmen) in einer Schüssel komplett im Tiefkühlschrank gefrieren lassen. Dann auftauen lassen. Zuerst taut der Saft und der Alkohol wieder auf. Ist der Cider halb aufgetaut, das restliche Eis entfernen, da es hauptsächlich Wasser enthält - übrig bleibt das "Cider-Konzentrat". Prost!


Mittwoch, 5. März 2014

Fish-Cakes: Frikadellen der Extraklasse

Pünktlich zur Fastenzeit unser englisches Fischrezept: Fishcakes von den Kanalinseln. Die Kanalinseln sind bekannt für Ihre Fish-Cakes. Keine Sorge, die Cakes sind nicht süß - vielmehr handelt es sich dabei um Fischfrikadellen der Extraklasse.

Zutaten für 4 Portionen:

  • 500 g Fischfilet (gehäutet), z.B. Kabeljau oder Rotbarsch
  • 1 kleine Zwiebel
  • 350 ml Weißwein (natürlich nehmen wir bei Cider & more Cider)
  • 500 g Kartoffeln (mehlig kochend)
  • je nach Vorliebe 15 g Petersilie, Estragon oder Dill
  • 1 Ei
  • 50 g Mehl
  • 50 g Semmelbrösel
  • 20 g Butter
  • 50 ml Milch
  • 1 Messerspitze Muskat
  • je 1 Prise Peffer und Salz

Zubereitung:


Kartoffeln kochen. Währenddessen den Fisch im Cider dünsten sowie die kleingehackte Zwiebel in etwas Butter glasig anbraten.

Wenn die Kartoffeln gar sind mit Milch und Butter vermengen und zu einem Brei stampfen, dann den Fisch und die Petersilie zugeben und weiterstampfen.

Daraus Frikadellen formen und mit Mehl, Semmelbrösel und dem geschlagenen Ei panieren. Die Cakes 30 Minuten abkühlen lassen, anschließend bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten.

 

 

Dip: 

Dazu einen Joghurt-Dip reichen (aus Joghurt, Senf, Mayonaise, Dill, Salz und Pfeffer). Original Brown Sauce passt aber auch gut (wenn man auf Brown Sauce steht) .Die klassische Variante wird gerne auch mit Kräutermayonaise serviert.

 

Beilagen:

Oft wird grüner Spargel empfohlen, wir haben uns für die bodenständigere - und englischere - Variante mit Erbsen und Bratkartoffeln entschieden.

Freitag, 28. Februar 2014

Ciderpops: Der Untergang der Cider-Kultur?

Cider in einem englischen Supermarkt
Was macht einen guten Cider aus? Wo liegt die Grenze zwischen einem "richtigen" Cider und einem Produkt, dass sich Cider schimpft? Da in England alles Cider heißen darf, was mindestens ca. 30% fermentierten Apfelsaft enthält, schlagen sich auf der Insel Ciderfreunde - und solche, die sich dafür halten - gerne mal die Köpfe ein, wenn es um dieses Thema geht - bildlich gesprochen, versteht sich.

Einer der meiner Meinung nach renommiertesten Vorreiter für den Erhalt der Ciderkultur ist der "Cider Pilgrim", dessen Blog ein absolutes Muss für alle Cider-Freunde ist. Hunderte von Cidern werden dort getestet, es findet sich aber auch Grundsätzliches zum Thema.

In seinem neuesten Hintergrund räsoniert der Pilgrim über die Zunahme von Fruit Ciders und Low Alcohol Ciders: Sind das die billigen Alkopops von morgen? Degeneriert der Begriff Cider zusehends? Glauben die meisten Kunden tatsächlich, dass Industrieware der typische Cider schlechthin ist? Was der Pilgrim von dieser Entwicklung hält, ist unbedingt lesenswert (am besten gleich den Blog abonnieren!):

Mittwoch, 19. Februar 2014

Cider: Hausmarken englischer Supermärkte


Viele Verbraucher wissen inzwischen, dass günstige No-Name-Produkte bzw. sogenannte Hausmarken großer Supermarktketten oft von bekannten Markenherstellern produziert werden. Deren Produkte sind allerdings oft deutlich teurer - selbst, wenn es ein und dasselbe ist. In Großbritannien ist das nicht anders, auch dort gibt es dieses Phänomen - auch bei Cider. Zu den großen Supermarktketten zählt dort unter anderem neben Sainsbury's und Waitrose auch Tesco:

1. und 3. Cider von links: Tesco Hausmarken, daneben entsprechende Pendants
Kenner sehen natürlich sofort, was da Sache ist – zumal Thatchers in Somerset sitzt und Westons in Herefordshire. Supermarktcider muss daher nicht unbedingt schlechter sein als die Markenware – beim nächsten Englandtrip daher einfach auf die Flaschenform achten … übrigens: beim aktuellen Preisvergleich schneiden die Supermarktcider rund 15 % günstiger ab als die Pendants aus den "Mutterhäusern".

P.S: Cider and more kann momentan leider keine Discounter-Marken importieren – zumal deren günstiger Einkaufspreis wohl nicht an uns weitergegeben würde.
 

Donnerstag, 16. Januar 2014

Crabbie's Ginger Beer: jetzt bei Cider & more

Zugegeben: jetzt im Winter wird's still im Cider-Blog. Einzige Ausrede: bevor ich Blödsinn poste, schweige ich lieber. Wir von Cider and more werden jedenfalls gespannt abwarten - und fleissig mitmischen - in Bezug darauf, was die neue Season so mit sich bringt in Sachen Cider. Der deutsche Markt bleibt auf jedenfall spannend: klein, überschaubar, aber sehr dynamisch wachsend. Mal sehen, wie lange Bulmers, Magners und Kopparberg noch die nationale Kneipenszene beherrschen. Wir halten mit Gwynt und Thatchers dagegen - denn Qualität muss nicht teuer sein.


Etwas neues bringt aber auch der Januar: Ab sofort bieten wir die komplette Produktpalette von Crabbie's Original Alcoholic Ginger Beer bei Cider & more an. Warum Ginger Beer? Zum einen: warum nicht? Zum anderen: um das "& more" im Firmennamen ein klein wenig mehr zu gewichten - und weil Ginger Beer hierzulande noch exotischer ist als Cider ... und weil Crabbies's keine Discounter-Plörre ist  .... es gibt also jede Menge Gründe! Außerdem ist jetzt auch die schottische Seele im Sortiment präsent. In diesem Sinne - einfach mal probieren!