Freitag, 15. Januar 2016

Cider-Wassailing im Januar


Wenn englische Cider-Freunde sich im kalten Januar verkleiden und nächtens um die Obstbäume ziehen, singend und cidertrinkend, dann ist Wassailing angesagt! Dazu geht’s in den Obstgarten, direkt zum Apfelbaum (wobei es nicht zwingend ein Apfelbaum sein muss, auch andere Obstbäume kommen in Betracht). Vor Ort wird der Wassail-Song vorgetragen, in dem man um eine reiche Frucht bittet.
Der traditionelle Cider-Mug wird beim Wassail gerne herumgereicht. Bildrecht: National Association of Cider Makers, UK (NACM)
Damit’s auch wirklich klappt mit dem guten Vorsatz, kippt man Cider übers Wurzelwerk – aber nur wenig, das meiste trinken die Feiernden natürlich selbst, natürlich nur zum Wohle der Bäume, versteht sich ja von selbst. Zur Sicherheit grölt und lärmt man gerne danach, damit böse Geister auf jeden Fall keine Chance haben, dem Baum das Leben zu vergällen. Fragt sich nur, was die guten Geister davon halten… Jedenfalls haben die Feiernden meist jede Menge Spaß dabei, und das ist doch die Hauptsache – Cheers!
Bekannter traditioneller Wassail song:

Here's to thee, old apple tree,
Whence thou mayst bud
And whence thou mayst blow!
And whence thou mayst bear apples enow!
Hats full! Caps full!
Bushel - bushel - sacks full,
And my pockets full too! Huzza!

South Hams of Devon, 1871

Der Begriff Wassail stammt aus dem Angelsächsischen (wes hal) und bedeutet soviel wie ‚sich in guter Gesundheit befinden‘. Für Ciderfreunde steht dabei das orchard-visiting Wassail im Vordergrund, das je nach Kalender-Lesart zwischen dem 5. und 17. Januar begangen wird. In seiner heutigen Form ist das Wassailing erstmals für das 16 oder 17. Jahrhundert in England belegt, wobei man davon ausgeht, dass Urformen bereits zu angelsächsischer Zeit im Frühmittelalter praktiziert wurden. Heutzutage hat das ganze folkloristische Bedeutung und findet nur noch sehr vereinzelt statt, hauptsächlich in den Ciderhochburgen Westenglands.


Mehr zum Thema unter:

https://en.wikipedia.org/wiki/Apple_Wassail
und auch bei Cider and more

Freitag, 11. September 2015

Cider: Labels am Laufenden Band

Mal abgesehen davon, dass Cider gut schmeckt: richtig geschmackvoll fällt auch die Gestaltung vieler englischer Bier- und Ciderflaschen aus. Die Briten haben's einfach drauf und wissen, wie man Flaschen ordentlich gestaltet. wer wissen will, wie es aussieht: Ein Blick ins Sortiment von Cider and more sollte ausreichend sein.

Kehrtwende um 180°

Gleichzeitig scheinen viele, wenn nicht die meisten Hersteller unter chronisch-creativer Gestaltungswut zu leiden: mindestens alle zwei Jahre muss ein neues Label her, kaum, dass man sich an den Vorgänger gewöhnt hat. Beispiel Brothers Cider: Das neue, aktuelle Label stellt eine 180°-Wende gegenüber dem gelungenen Retro-Vorgänger dar und erinnert wieder stark an der Vor-Vorgänger. Wohin soll die Reise denn nun gehen? Auch, wenn der Inhalt maßgeblich ist, das Image trinkt sozusagen mit.

Brothers Cider
Brothers Strawberry - links: aktuelles Label, mitte: der Retro-Vorgänger, rechts: der Vor-Vorgänger

Verschlimmbesserung bei Thatchers

Auch Thatchers vollzieht bei der Labelgestaltung ein regelrechtes Rumgeeiere. Bislang stärkster Coup: Die Verschlimmbesserung des Old Rascal-Labels. Einige unserer Kunden von Cider and more sollen alleine deswegen die Lieblingssorte gewechselt haben. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens am genialen Green-Goblin-Label nicht rumgedoktort wird. Thatchers gab uns gegenüber diesbezüglich Entwarnung - hoffen wir, dass es dabei bleibt.
Old Rascal - rechts: das Original, links: der aktuelle Nachfolger

Zeitlos gut

Also, liebe Engländer: Coole Labels müssen nicht zwangsweise alle 1-2 Jahre umgelabelt werden. Bestes Beispiel ist Henneys Cider: rudimentär-alternativlos seit Jahren - und das, was drin ist, ist richtig geil ...
Henneys Dry Cider
Henneys Cider: eine Klasse für sich


Dienstag, 2. Juni 2015

Finnbarra Irish Craft Cider: erfrischend anders

Irland und Cider - da denkt man mehr oder weniger zwangsläufig an die globale Marke Magners (die in Irland selbst Bulmers heisst; warum das so ist, würde jetzt zu weit führen). Gerne vergisst man dabei, dass es in Irland noch eine ganze Reihe kleinerer Hersteller gibt, die zum Teil wirklich hervorragenden Cider produzieren. Ganz vorne mit dabei: Finnbarra Cider (gibt's in Irland selbst auch unter dem Namen Stonewell Cider - doppelte Namensgebung scheint eine typisch irische Spezialität zu sein ...).

Finnbarra gibt's gerade mal seit 2010 - genauso lange übrigens wie Cider and more - hat aber schon jede Menge Preise eingefahren. Und das nicht ohne Grund: Bekanntermaßen ist die Welt des Ciders äußerst vielseitig, auch im Hinblick auf die Qualität. Die Bandbreite reicht von skandinavischen Alkopops, die mit dem klassischen Cider eigentlich nur noch den Namen gemeinsam haben, über global vermarktete Massenprodukte mit einem Apfelweinanteil von knapp 50% bis hin zu den wirklich guten Cidern kleiner und mittelständischer Hersteller mit sehr hohem Fruchanteil. Natürlich gehört Finnbarra Cider zu letzterer Kategorie.




Zwischen Frankreich und Wales

Bei der Produktion hat man sich an walisischen und bretonischen Cidre-Traditionen orientiert. Der Medium Dry beispielsweise stellt ein Blending aus drei Cidern dar, hergestellt aus den Sorten Dabinett, Michelin und Elstar/Falstaff. Er ist leicht moussierend und besticht durch sein intensives, lang anhaltendes Aroma, das sich irgendwo zwischen klassisch-englischem Cider und französischem Cidre bewegt. Auch der Dry Cider ist nicht zu verachten und besticht unter anderem dadurch, dass er gerade einmal 17 Kalorien pro 100ml aufweist.



Zum Digestiv: Sherry, Port - oder Stonewell Tawny

Ein absolut feines Tröpfchen ist der Stonewell Tawny: 15 !! prozentig, hochintensiv und ebenso komplex, handelt es sich bei diesem Cider meiner Meinung nach schon fast um einen Apfel-Likör, der sich zwischen Sherry und Port beileibe nicht verstecken muss. Und auch das Design ist etwas ganz besonderes: wachsversiegelt und vom Chief Cider Maker persönlich signiert.

Cider and more ist jedenfalls stolz darauf, nun auch hervorragende Craft-Cider aus Irland präsentieren zu können: Mehr dazu auf ciderandmore.de

Samstag, 18. April 2015

Rezeptidee: Toad in the Hole

Nach langer Zeit stellen wir endlich einmal wieder ein Rezepteklassiker der englischen Küche zum Nachmachen vor: Toad in the hole, also eine Kröte im Loch - wobei es sich genauer gesagt um Würstchen in Pfannkuchenteig handelt. Optisch eine eher wenig ansprechende Komposition in Beigetönen, aber schmecken tut's gut!!

Das ganze Rezept gibt's hier bei Cider and more: Klassiker der englischen Küche

In der Auflaufform ...

... und auf dem Teller.

Freitag, 13. März 2015

EZB und EU sei dank: Cider wird jetzt teurer

Am Montag öffnete die Europäische Zentralbank EZB ihre Geldschleusen und kauft seitdem für zig-Milliarden europäische Staatsanleihen. Dadurch verliert der Euro im internationalen Vergleich massiv an Wert. Es herrscht zwar allgemeiner Konsens in sogenannten Fachkreisen, dass die EZB das eigentlich gar nicht darf – aber das scheint niemanden wirklich zu stören, zumal die heimische Exportwirtschaft vom billigen Euro profitiert: Ihre Produkte sind für Dollar-Käufer nun günstig wie lange nicht. Der Haken dabei: Importe, die in Fremddevisen eingekauft werden, werden teurer, zum Teil massiv. Und das betrifft auch uns von Cider and more: Da der Euro auch gegenüber dem britischen Pfund seit Monaten nachgibt und wir fast alles in Pfund einkaufen müssen, wird der Cider unterm Strich immer teurer (das betrifft übrigens auch profanere Importprodukte wie z.B. Kaffee, Tee, Zucker oder Rohöl, die in Dollar abgerechnet werden). Ein Ende der Europolitik scheint noch lange nicht in Sicht – zumal auch die aktuelle Lage in Bezug auf Griechenland nicht dazu beiträgt, den Euro wieder erstarken zu lassen.

Wem der Cider also demnächst zu teuer ist, der darf sich unter anderem gerne bei Herrn Draghi dafür bedanken. Für uns heißt es: abwarten und Tee trinken … sorry, wir meinten natürlich Cider. In diesem Sinne:

„Keep calm and carry on“

Sonntag, 1. Februar 2015

Im Trend: Micro-Pubs

 
William Shayer, "Outside the Royal Oak"


In England gibt es immer mehr Micro-Pubs - sehr kleine, familiäre Einraum-Kneipen, die auf elektronischen Krimskrams verzichten und noch auf echte Unterhaltung setzen, sprich: Gespräche. Vor allem in Kent gibt es jede Menge dieser Ein-Raum-Kneipen im Sinne eines traditionellen Public House, wo man sich zum neuesten Dorftratsch trifft. In der Hauptsache gibt es dort lokales Ale vom Fass (hoffentlich auch Cider) und kleine, traditionelle Imbisse, z.Bsp. Pasties.

Neugierig geworden und beim nächsten Englandtrip ausprobieren? Wo Ihr die mittlerweile insgesamt 97 Micropubs finden könnt, erfahrt Ihr hier:

http://www.real-cider.co.uk/cider-micropubs/

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Thatchers Cider: Das Sortiment wird eingedampft

Wie lange bei Thatchers darüber gegrübelt wurde, ist mir unklar - aber die Umsetzung erfolgte im Herbst ratzfatz: Die Sorten "Coxs", "Mixed Fruit" und "Pear" wurden aus dem Sortiment genommen, quasi von jetzt auf gleich. Auch ein Nachbestellen von Restposten war nicht mehr möglich. Warum aber diese Entscheidung? Zumal insbesondere der "Pear" bei uns recht beliebt war unter den Kunden - und ich persönlich mit dem feinen, süß-aromatischen Geschmack des "Coxs" sehr viel anfangen konnte ...


Obst aus Eigenanbau

Die Begründung: Thatchers will möglichst unabhängig von fremden Obsterzeugern sein - und die Äpfel und Birnen der obigen Sorten wurden bislang mehr oder weniger zugekauft - damit soll jetzt Schluss sein. Einerseits eine konsequente und logische Denkweise - andererseits fragt man sich, warum Thatchers den "Mixed Fruit" vor rund zwei Jahren überhaupt noch auf den Markt gebracht hat.

Achterbahnfahrt in Sachen Markenkultur

Der Ciderberry
So richtig ist mir bis heute nicht klar, wohin Thatchers steuern will. Als ich 2011 vor Ort war, wurden der "Katy Rosé" und der Ciderberry in den vergleichsweise edlen 0,75l-Flaschen gepuscht, speziell für die Damenwelt. Der Spuk dauerte ca. ein Jahr, dann verschwanden die großen Flaschen. Den "Rosé" gibt's immer noch in der kleinen Flasche, der "Ciderberry" wurde durch den sehr viel süßeren "Mixed Fruit" ersetzt.

Zwischenzeitlich wurde der "Vintage" neu aufgelegt und mit einem edlen Label versehen, was auch bei Katy, Coxs, Rosé und Pear der Fall war, nicht aber bei den Klassikern Gold, Green Goblin und Oldd Rascal - es gab in Sachen Design also ein Label-Mischmasch, das bis heute anhält. Vielleicht ist das ganz gut so, denn was gibt es am Goblin-Design zu verbessern ...

Gar nicht nach Deutschland geschafft hatte es der "Prince William" - vor knapp zwei Jahren eingeführt inzwischen ebenfalls wieder vom Markt genommen - da der nicht für den Export gedacht sei, sagte man mir und schaltete auf stur. (Nicht einmal ein paar Fläschen zum Probieren gab es, und ich dachte immer, Somerset gehört nicht zu Schottland) Warum man da nicht ein paar Lagen exportieren konnte, wollte mir beim besten Willen nicht einleuchten.

Fürs kommende Jahr sollen zwei neue Sorten auf den Markt kommen, mal sehen, was daraus wird ...bleibt zu hoffen, dass Thatchers nicht an den wirklich wichtigen Sorten rumschustert: Gold, Green Goblin und Old Rascal. Hauptsache, der Cider schmeckt, und das ist bei Thatchers auf jeden Fall der Fall - Cheers!

Übrigens: ein bisschen was von den Ausgemusterten ist noch auf Lager ... also zuschlagen!