Donnerstag, 4. Dezember 2014

Thatchers Cider: Das Sortiment wird eingedampft

Wie lange bei Thatchers darüber gegrübelt wurde, ist mir unklar - aber die Umsetzung erfolgte im Herbst ratzfatz: Die Sorten "Coxs", "Mixed Fruit" und "Pear" wurden aus dem Sortiment genommen, quasi von jetzt auf gleich. Auch ein Nachbestellen von Restposten war nicht mehr möglich. Warum aber diese Entscheidung? Zumal insbesondere der "Pear" bei uns recht beliebt war unter den Kunden - und ich persönlich mit dem feinen, süß-aromatischen Geschmack des "Coxs" sehr viel anfangen konnte ...


Obst aus Eigenanbau

Die Begründung: Thatchers will möglichst unabhängig von fremden Obsterzeugern sein - und die Äpfel und Birnen der obigen Sorten wurden bislang mehr oder weniger zugekauft - damit soll jetzt Schluss sein. Einerseits eine konsequente und logische Denkweise - andererseits fragt man sich, warum Thatchers den "Mixed Fruit" vor rund zwei Jahren überhaupt noch auf den Markt gebracht hat.

Achterbahnfahrt in Sachen Markenkultur

Der Ciderberry
So richtig ist mir bis heute nicht klar, wohin Thatchers steuern will. Als ich 2011 vor Ort war, wurden der "Katy Rosé" und der Ciderberry in den vergleichsweise edlen 0,75l-Flaschen gepuscht, speziell für die Damenwelt. Der Spuk dauerte ca. ein Jahr, dann verschwanden die großen Flaschen. Den "Rosé" gibt's immer noch in der kleinen Flasche, der "Ciderberry" wurde durch den sehr viel süßeren "Mixed Fruit" ersetzt.

Zwischenzeitlich wurde der "Vintage" neu aufgelegt und mit einem edlen Label versehen, was auch bei Katy, Coxs, Rosé und Pear der Fall war, nicht aber bei den Klassikern Gold, Green Goblin und Oldd Rascal - es gab in Sachen Design also ein Label-Mischmasch, das bis heute anhält. Vielleicht ist das ganz gut so, denn was gibt es am Goblin-Design zu verbessern ...

Gar nicht nach Deutschland geschafft hatte es der "Prince William" - vor knapp zwei Jahren eingeführt inzwischen ebenfalls wieder vom Markt genommen - da der nicht für den Export gedacht sei, sagte man mir und schaltete auf stur. (Nicht einmal ein paar Fläschen zum Probieren gab es, und ich dachte immer, Somerset gehört nicht zu Schottland) Warum man da nicht ein paar Lagen exportieren konnte, wollte mir beim besten Willen nicht einleuchten.

Fürs kommende Jahr sollen zwei neue Sorten auf den Markt kommen, mal sehen, was daraus wird ...bleibt zu hoffen, dass Thatchers nicht an den wirklich wichtigen Sorten rumschustert: Gold, Green Goblin und Old Rascal. Hauptsache, der Cider schmeckt, und das ist bei Thatchers auf jeden Fall der Fall - Cheers!

Übrigens: ein bisschen was von den Ausgemusterten ist noch auf Lager ... also zuschlagen!

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Mulled Cider - Der Glühwein-Konkurrent

Aspall - mulled Cider with a delicious Citrus Finish
Im Sommer ist Cider ein idealer Durstlöscher mit nicht allzuviel Alkohol (vorausgesetzt, es ist die richtige Sorte). Doch erst im Herbst und Winter entfaltet Cider seine heimlichen Stärken: Dann sind die aromatischen, voluminösen Sorten gefragt, z.B. der Gold Medal von Gwynt y Ddraig oder der Still Cider von Henneys. Apropos Still Cider: der ist eine gute Grundlage für den sogenannten Mulled Cider. So bezeichnet man gewürzte Cider, die heiß getrunken werden sollten.

Aspall zum Beispiel bietet einen vorgemischten Mulled Cider an, mit einem hervorragenden Citrus-Orangen-Finish - absolut empfehlenswert und zur Zeit in der 10l-bag-in-box bei Cider and more erhältlich.

Alternativ kann man den Mulled Cider natürlich auch selbst ansetzen, hier nur einer von vielen Rezept-Vorschlägen:



Zutaten für 4 Becher:
  • 1 Liter Cider (medium/sweet, ideal sind die Still Cider aus den 3-l-bag-in-boxes) 
  • 2 Stangen Ceylon-Zimt 
  • 8 Nelken 
  • 4 Sternanis 
  • 8 Teelöffel Honig
Cider in einen Topf geben, zusammen mit den Gewürzen. Am besten packen Sie die Gewürze in einen Gewürzbeutel, allerdings sind die in Deutschland nur schwer zu bekommen. Ansonsten den Punsch zum Schluss durch ein Sieb abseihen. Honig dazugeben. Das Ganze erwärmen, nicht kochen. Regelmäßig umrühren, damit sich der Honig verteilt. Frisch servieren, evtl. mit frisch geschlagener Sahne garnieren.

Wenn's stärker sein soll, kann man mit der Zugabe von Apfelbrandy bzw. Calvados (ersatzweise Rum) experementieren - oder mit der Zugabe von Orangenlikör - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. So macht auch der Winter Spaß!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Der Hamburg-Effekt - oder warum wir noch immer keine skandinavischen "Cider" verkaufen


Neulich ein paar Tage in Hamburg verbracht und in die Edekas vor Ort geschaut. Und siehe: Dort gibt es laut meiner nicht repräsentativen Marktforschung tatsächlich Cider. Ich habe neben einem Cider aus Irland insbesondere skandinavische Ware entdeckt: aus Schweden und vor allem aus Dänemark. Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, muss ich gerade zufällig an Rekorde denken, die man im Sommer aufstellt.
 

Wer wagt, gewinnt - oder auch nicht

Man muss nehmen, was man kriegt, sprach der eingefleischte Englandfan, und da ich mich in einer weltoffenen Metropole befand (und nicht in einem süddeutschen Weltdorf), beschloss ich, den Skandinaviern erneut eine Chance zu geben - und das war ein Fehler.

Verdünnter Kunst-Cider

Zuerst den Apple-Cider aus Dänemark getestet. Elendig süß, in einer mickrigen 0,33l-Dose, dazu fliegen einem die Aromastoffe förmlich um die Nase, sobald die Dose auf ist. Ein Kunstprodukt durch und durch. Es ist zwar kein Geheimnis, dass auch etliche englische Cider - gerade von großen Herstellern - mit Wasser und Industriezucker "aufgepeppt" werden, weshalb man gerne auch vom "Apfelschorle für Erwachsene" spricht. Doch die Zutatenliste des "Apple-Cider" ist ein Hingucker für sich:
 
Apfelwein (der folgendermaßen definiert wird: Wasser, Glucosesirup, Apfelsaft-Konzentrat - also das, was einen englischen Industriecider ausmacht), außerdem: Zucker, nochmals konzentrierter Apfelsaft, Kohlendioxid, Säuerungsmittel (Zitronensäure), natürliche Aromen, Konservierungsmittel (Kaliumsorbat - oder so ähnlich, ich konnte es nicht genau entziffern, weil so klein geschrieben), Farbstoff Ammoniak-Zuckerkulör.

 

Laut vieler Hersteller am besten mit Eis betäuben 

Und genauso, wie es sich liest, hat es auch geschmeckt - finde ich zumindest. Deshalb wahrscheinlich der peppig-flockige Vorschlag, das Ganze eisgekühlt zu kippen, das betäubt den Geschmacksnerv. Puritaner mögen vielleicht einwerfen, dass auch klassischer Cider nunmal kein Apfelwein in unserem Sinne ist, sondern ein Weinmischgetränk. Was soll man dann erst zum "Apple-Cider" aus Dänemark sagen? Hier wird der Cider nochmal ordentlich runterverdünnt und zusatzstoffversetzt, sodass unterm Strich nur noch ein Minimum an natürlichem Apfel (und auch nur an Konzentrat) enthalten ist. Ein "Apfelwein", der mit Apfelaroma versetzt werden muss, damit es nach Apfel schmeckt - abgefahren!

Für mich ist das unterm Strich jedenfalls ungefähr so, als würde man ein aromatisiertes Fruchtweinmischgetränk (Stichwort Maibowle) aus dem hiesigen Supermarkt unter dem Oberbegriff "Wein" labeln. 

Aber man ist ja hart im Nehmen: also noch die Sorten Ginger Lemon, Elderflower Lime und den Passionfruit-Cider aus Schweden probiert. Schmeckte alles ähnlich interessant wie der "Apple-Cider". Übrigens waren in den Produkten laut Zusatzliste weder Spuren von Elderflower (Holunder), Ginger (Ingwer) oder Passionfruit enthalten. Ich persönlich würde ja einen Hauch dieser Zutaten zugeben, damit man's wenigstens auf dem Etikett mit angeben kann. 

 

Gnadenlos ehrlich - wenn man es nur lesen könnte 

Apropo Etikett - einen Vorteil haben die Skandinavier: Sie geben wenigstens sämtliche Inhaltsstoffe an (im Gegensatz zu den meisten britischen Herstellern, die daraus ein ähnliches Geheimnis machen wie seinerzeit um den heiligen Gral), allerdings in einem derart kleinen Schriftformat, dass es auch mit Brille nur bei hellem Tageslicht halbswegs ordentlich gelesen werden kann - im abendlichen Hotel bei Zimmerlicht hatte ich ernsthafte Schwierigkeiten ... 

 

Cider - ein Universalbegriff 

Jedenfalls scheint der Begriff "Cider" nicht geschützt zu sein - eine tolle Sache: Jeder produzent kann das augenscheinlich so vermarkten (und größtenteils auch herstellen), wie er möchte - und jeder Kunde darf sich was anderes drunter vorstellen - wie praktisch! Vom skandinavischen Limonaden-alko-pop über diverse deutsche Streuobstwiesen-Cider (die rein geschmacklich mit klassisch-englischem Cider eher wenig zu tun haben) bis hin zu traditionellem Craft-Cider aus Somerset und Herefordshire.

Der geneigte Leser ahnt sicher, zu welcher Richtung wir von Cider and more tendieren. Oberster Grundsatz: Wir versuchen, eine möglichst große Bandbreite des britischen Cider-Sortiments im Sortiment wiederzuspiegeln – dazu gehören auch die stylischen Fruchtcider von Brothers, bei denen wir zugegebenermaßen auch nicht so recht wissen, was eigentlich drin ist. Aber das, was die Skandinavier da zum Großteil produzieren: Das ist nochmals eine Nummer für sich und meiner Ansicht nach eine Verballhornung des Begriffs "Cider". Und wenn jemand vor allem damit wirbt, wie toll das verwendete Quellwasser ist, dann ist das schon etwas seltsam. Ich halte es eher für selbstverständlich, dass das verwendete Wasser einwandfrei ist.

Und somit dürfte geklärt sein, warum wir von Cider and more Skandinavier außen vor lassen - Cheers!

Dienstag, 2. September 2014

Im Kommen: Bierbrauer machen in Cider

Der Cidermarkt wächst und gedeiht - man könnte auch von einem Boom sprechen, würde dieses nette kleine Wort nicht gerne überstrapaziert. Zumindest behauptet das die NACM, die National Association of Cidermakers, und prognostiziert bis 2018 einen Umsatzwachstum von 17% in Großbritannien sowie weitere massive Zuwächse rund um den Globus - uns von Cider and more soll's recht sein ...

Nicht zuletzt mittelständische Hersteller wie Westons, Aspall oder Thatchers beflügeln diese Entwicklung und verhelfen dem Cider zu einem neuen Image, das aus dem Schatten von Heinken und Co. treten soll.

Cider, der Cidre heißt und aus Belgien kommt


Kein Wunder also, dass auch der ein oder andere Bierbrauer auf den Ciderzug aufspringt, um sich am hartumkämpften Markt zu behaupten. Prominentes Beispiel: Stella Artois produzieren einen sogenannten Cidre, der in UK mit einigem Erfolg vertrieben wird. Die Frage ist, ob so etwas wirklich in UK vertrieben werden muss.

Gelungener Retro-Look bei Carling


Es gibt aber auch andere Beispiele: Carling zum Beispiel verhilft dem Cider zu einem 50-Jahre Retro-Image - jedenfalls gefällt mir die Flasche hervorragend, sie hebt sich angenehm vom Mainstreamdesign ab. Allerdings ist er nicht jedermanns Geschmack: Er schmeckt, als wäre er aus Coxs und Granny Smith gewonnen, und über allem schwebt der süßliche Verdacht von Aromastoffen.


Dass es auch handfest-traditionell geht, zeigen die Hogs Brewery, die in Cooperation mit Thatchers einen Cloudy auf den Markt geworfen haben, der aber nicht scrumpy ist: tiefgolden & zu 100 Prozent bittersweet.



Premium-Cider von Hogs und Moles


Mein Favorit unter den Bierbrauern: Der Black Rat Cider der Moles Brewery. Klar, urwüchsig, ohne Schnick-Schnack, mit einem starken, lang anhaltenden Abgang, in dem die Tannine voll zur Geltung kommen. Dass er im Prinzip fast genau schmeckt wie der Somerset Draught von Sheppy's, die gleiche Flaschenform aufweist und aus Somerset stammt, deutet ebenfalls auf eine Kooperation hin.

Und nicht vergessen: fast alle hier genannten Cider gibt's natürlich auch bei Cider and more - einfach durchprobieren ...

Freitag, 18. Juli 2014

Cider Poems - Part two

“It's time to walk to the cider mill
Through air like apple wine,
And watch the moon rise over the hill,
stinging and hard and fine.
It's time to cover your seed pods deep
And let them wait and be warm.
It's time to sleep the heavy sleep
That does not wake for the storm.
Winter walks from the green, streaked West
With a bag of Northern Spies,
The skins are red as a robin’s breast,
The honey chill as the skies.”

Stephen Vincent Benét, John Brown’s Body

Freitag, 4. Juli 2014

Rezept: Himbeer-Schaum mit Portwein

Passend zur Himbeerzeit ein original englischer Nachtisch - ausnahmsweise ohne Cider.

Zutaten (4-6 Portionen):
  • 3 Eigelb
  • 150g Zucker
  • 250g Himbeeren (frisch oder tiefgefroren)
  • Saft einer ½ Zitrone
  • 6 Blatt Gelatine
  • 50ml Portwein
  • 200g Sahne
  • 1 EL gehackte Pistazien
Zubereitung:
Die Eier trennen und das Eigelb mit dem Zucker in einer Schüssel über einem heißen Wasserbad sehr schaumig aufschlagen.
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Variante mit frischen Himbeeren:


Die Himbeeren verlesen, kurz abbrausen und abtropfen lassen. Einige Himbeeren für die Dekoration zur Seite legen. Restliche Himbeeren mit dem Zitronensaft pürieren und anschießend durch ein Sieb streichen. Die Kerne machen die feine Creme ansonsten "körnig".

Die Gelatine in kaltem Wasser ca. 5min. einweichen. Das Himbeermark in einen Topf geben, erhitzen und die tropfnasse Gelatine im heißen Himbeermark auflösen. Vom Herd nehmen, den Portwein unterrühren und etwas abkühlen lassen.

Variante mit gefrorenen Himbeeren:

Einige schöne Himbeeren für die Dekoration beiseitelegen. Die restlichen Himbeeren mit dem Saft einer halben Zitrone in einen Topf geben, langsam erwärmen und zu Muß kochen. Das Himbeermark durch ein Sieb streichen und so weiterverarbeiten wie bei der Variante mit den frischen Himbeeren angegeben.

Die Himbeer-Portwein-Mischung unter die Eiercreme rühren. Die Sahne steif schlagen und währenddessen den Himbeerschaum kalt stellen. Die Sahne unter die Creme ziehen. Den Himbeerschaum im Kühlschrank, am besten über Nacht, fest werden lassen.

Creme mit gehackten Pistazien bestreuen und mit Himbeeren verzieren.

Freitag, 6. Juni 2014

Cider Poems - Part one

Zeit wird's für eine neue Blog-Reihe: Nachdem wir letztes Jahr unsere Cider-and-more-AllStars präsentiert haben, wollen wir heuer der literarischen Ader frönen - natürlich rund um den Cider. Einläuten wollen wir die lockere Reihe mit einigen kurzen Bemerkungen eines großen amerikanischen Staatsmannes und Freidenkers, der bekennender Cider-Liebhaber war: Benjamin Franklin.

“Never praise your cyder, horse, or bedfellow.”

“Give me yesterday’s bread, this day’s flesh, and last year’s cyder.”


“He that drinks his cyder alone, let him catch his horse alone.”

     Benjamin Franklin, Poor Richard's Almanack


Und Franklin stand nicht allein da mit seiner guten Meinung über Cider: auch John Adams, zweiter Präsident der USA, teilte sie:

“In conformity to the fashion, I drank this morning and yesterday morning about a gill of cider; it seems to do me good.”