Dienstag, 2. Juni 2015

Finnbarra Irish Craft Cider: erfrischend anders

Irland und Cider - da denkt man mehr oder weniger zwangsläufig an die globale Marke Magners (die in Irland selbst Bulmers heisst; warum das so ist, würde jetzt zu weit führen). Gerne vergisst man dabei, dass es in Irland noch eine ganze Reihe kleinerer Hersteller gibt, die zum Teil wirklich hervorragenden Cider produzieren. Ganz vorne mit dabei: Finnbarra Cider (gibt's in Irland selbst auch unter dem Namen Stonewell Cider - doppelte Namensgebung scheint eine typisch irische Spezialität zu sein ...).

Finnbarra gibt's gerade mal seit 2010 - genauso lange übrigens wie Cider and more - hat aber schon jede Menge Preise eingefahren. Und das nicht ohne Grund: Bekanntermaßen ist die Welt des Ciders äußerst vielseitig, auch im Hinblick auf die Qualität. Die Bandbreite reicht von skandinavischen Alkopops, die mit dem klassischen Cider eigentlich nur noch den Namen gemeinsam haben, über global vermarktete Massenprodukte mit einem Apfelweinanteil von knapp 50% bis hin zu den wirklich guten Cidern kleiner und mittelständischer Hersteller mit sehr hohem Fruchanteil. Natürlich gehört Finnbarra Cider zu letzterer Kategorie.




Zwischen Frankreich und Wales

Bei der Produktion hat man sich an walisischen und bretonischen Cidre-Traditionen orientiert. Der Medium Dry beispielsweise stellt ein Blending aus drei Cidern dar, hergestellt aus den Sorten Dabinett, Michelin und Elstar/Falstaff. Er ist leicht moussierend und besticht durch sein intensives, lang anhaltendes Aroma, das sich irgendwo zwischen klassisch-englischem Cider und französischem Cidre bewegt. Auch der Dry Cider ist nicht zu verachten und besticht unter anderem dadurch, dass er gerade einmal 17 Kalorien pro 100ml aufweist.



Zum Digestiv: Sherry, Port - oder Stonewell Tawny

Ein absolut feines Tröpfchen ist der Stonewell Tawny: 15 !! prozentig, hochintensiv und ebenso komplex, handelt es sich bei diesem Cider meiner Meinung nach schon fast um einen Apfel-Likör, der sich zwischen Sherry und Port beileibe nicht verstecken muss. Und auch das Design ist etwas ganz besonderes: wachsversiegelt und vom Chief Cider Maker persönlich signiert.

Cider and more ist jedenfalls stolz darauf, nun auch hervorragende Craft-Cider aus Irland präsentieren zu können: Mehr dazu auf ciderandmore.de

Samstag, 18. April 2015

Rezeptidee: Toad in the Hole

Nach langer Zeit stellen wir endlich einmal wieder ein Rezepteklassiker der englischen Küche zum Nachmachen vor: Toad in the hole, also eine Kröte im Loch - wobei es sich genauer gesagt um Würstchen in Pfannkuchenteig handelt. Optisch eine eher wenig ansprechende Komposition in Beigetönen, aber schmecken tut's gut!!

Das ganze Rezept gibt's hier bei Cider and more: Klassiker der englischen Küche

In der Auflaufform ...

... und auf dem Teller.

Freitag, 13. März 2015

EZB und EU sei dank: Cider wird jetzt teurer

Am Montag öffnete die Europäische Zentralbank EZB ihre Geldschleusen und kauft seitdem für zig-Milliarden europäische Staatsanleihen. Dadurch verliert der Euro im internationalen Vergleich massiv an Wert. Es herrscht zwar allgemeiner Konsens in sogenannten Fachkreisen, dass die EZB das eigentlich gar nicht darf – aber das scheint niemanden wirklich zu stören, zumal die heimische Exportwirtschaft vom billigen Euro profitiert: Ihre Produkte sind für Dollar-Käufer nun günstig wie lange nicht. Der Haken dabei: Importe, die in Fremddevisen eingekauft werden, werden teurer, zum Teil massiv. Und das betrifft auch uns von Cider and more: Da der Euro auch gegenüber dem britischen Pfund seit Monaten nachgibt und wir fast alles in Pfund einkaufen müssen, wird der Cider unterm Strich immer teurer (das betrifft übrigens auch profanere Importprodukte wie z.B. Kaffee, Tee, Zucker oder Rohöl, die in Dollar abgerechnet werden). Ein Ende der Europolitik scheint noch lange nicht in Sicht – zumal auch die aktuelle Lage in Bezug auf Griechenland nicht dazu beiträgt, den Euro wieder erstarken zu lassen.

Wem der Cider also demnächst zu teuer ist, der darf sich unter anderem gerne bei Herrn Draghi dafür bedanken. Für uns heißt es: abwarten und Tee trinken … sorry, wir meinten natürlich Cider. In diesem Sinne:

„Keep calm and carry on“

Sonntag, 1. Februar 2015

Im Trend: Micro-Pubs

 
William Shayer, "Outside the Royal Oak"


In England gibt es immer mehr Micro-Pubs - sehr kleine, familiäre Einraum-Kneipen, die auf elektronischen Krimskrams verzichten und noch auf echte Unterhaltung setzen, sprich: Gespräche. Vor allem in Kent gibt es jede Menge dieser Ein-Raum-Kneipen im Sinne eines traditionellen Public House, wo man sich zum neuesten Dorftratsch trifft. In der Hauptsache gibt es dort lokales Ale vom Fass (hoffentlich auch Cider) und kleine, traditionelle Imbisse, z.Bsp. Pasties.

Neugierig geworden und beim nächsten Englandtrip ausprobieren? Wo Ihr die mittlerweile insgesamt 97 Micropubs finden könnt, erfahrt Ihr hier:

http://www.real-cider.co.uk/cider-micropubs/

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Thatchers Cider: Das Sortiment wird eingedampft

Wie lange bei Thatchers darüber gegrübelt wurde, ist mir unklar - aber die Umsetzung erfolgte im Herbst ratzfatz: Die Sorten "Coxs", "Mixed Fruit" und "Pear" wurden aus dem Sortiment genommen, quasi von jetzt auf gleich. Auch ein Nachbestellen von Restposten war nicht mehr möglich. Warum aber diese Entscheidung? Zumal insbesondere der "Pear" bei uns recht beliebt war unter den Kunden - und ich persönlich mit dem feinen, süß-aromatischen Geschmack des "Coxs" sehr viel anfangen konnte ...


Obst aus Eigenanbau

Die Begründung: Thatchers will möglichst unabhängig von fremden Obsterzeugern sein - und die Äpfel und Birnen der obigen Sorten wurden bislang mehr oder weniger zugekauft - damit soll jetzt Schluss sein. Einerseits eine konsequente und logische Denkweise - andererseits fragt man sich, warum Thatchers den "Mixed Fruit" vor rund zwei Jahren überhaupt noch auf den Markt gebracht hat.

Achterbahnfahrt in Sachen Markenkultur

Der Ciderberry
So richtig ist mir bis heute nicht klar, wohin Thatchers steuern will. Als ich 2011 vor Ort war, wurden der "Katy Rosé" und der Ciderberry in den vergleichsweise edlen 0,75l-Flaschen gepuscht, speziell für die Damenwelt. Der Spuk dauerte ca. ein Jahr, dann verschwanden die großen Flaschen. Den "Rosé" gibt's immer noch in der kleinen Flasche, der "Ciderberry" wurde durch den sehr viel süßeren "Mixed Fruit" ersetzt.

Zwischenzeitlich wurde der "Vintage" neu aufgelegt und mit einem edlen Label versehen, was auch bei Katy, Coxs, Rosé und Pear der Fall war, nicht aber bei den Klassikern Gold, Green Goblin und Oldd Rascal - es gab in Sachen Design also ein Label-Mischmasch, das bis heute anhält. Vielleicht ist das ganz gut so, denn was gibt es am Goblin-Design zu verbessern ...

Gar nicht nach Deutschland geschafft hatte es der "Prince William" - vor knapp zwei Jahren eingeführt inzwischen ebenfalls wieder vom Markt genommen - da der nicht für den Export gedacht sei, sagte man mir und schaltete auf stur. (Nicht einmal ein paar Fläschen zum Probieren gab es, und ich dachte immer, Somerset gehört nicht zu Schottland) Warum man da nicht ein paar Lagen exportieren konnte, wollte mir beim besten Willen nicht einleuchten.

Fürs kommende Jahr sollen zwei neue Sorten auf den Markt kommen, mal sehen, was daraus wird ...bleibt zu hoffen, dass Thatchers nicht an den wirklich wichtigen Sorten rumschustert: Gold, Green Goblin und Old Rascal. Hauptsache, der Cider schmeckt, und das ist bei Thatchers auf jeden Fall der Fall - Cheers!

Übrigens: ein bisschen was von den Ausgemusterten ist noch auf Lager ... also zuschlagen!

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Mulled Cider - Der Glühwein-Konkurrent

Aspall - mulled Cider with a delicious Citrus Finish
Im Sommer ist Cider ein idealer Durstlöscher mit nicht allzuviel Alkohol (vorausgesetzt, es ist die richtige Sorte). Doch erst im Herbst und Winter entfaltet Cider seine heimlichen Stärken: Dann sind die aromatischen, voluminösen Sorten gefragt, z.B. der Gold Medal von Gwynt y Ddraig oder der Still Cider von Henneys. Apropos Still Cider: der ist eine gute Grundlage für den sogenannten Mulled Cider. So bezeichnet man gewürzte Cider, die heiß getrunken werden sollten.

Aspall zum Beispiel bietet einen vorgemischten Mulled Cider an, mit einem hervorragenden Citrus-Orangen-Finish - absolut empfehlenswert und zur Zeit in der 10l-bag-in-box bei Cider and more erhältlich.

Alternativ kann man den Mulled Cider natürlich auch selbst ansetzen, hier nur einer von vielen Rezept-Vorschlägen:



Zutaten für 4 Becher:
  • 1 Liter Cider (medium/sweet, ideal sind die Still Cider aus den 3-l-bag-in-boxes) 
  • 2 Stangen Ceylon-Zimt 
  • 8 Nelken 
  • 4 Sternanis 
  • 8 Teelöffel Honig
Cider in einen Topf geben, zusammen mit den Gewürzen. Am besten packen Sie die Gewürze in einen Gewürzbeutel, allerdings sind die in Deutschland nur schwer zu bekommen. Ansonsten den Punsch zum Schluss durch ein Sieb abseihen. Honig dazugeben. Das Ganze erwärmen, nicht kochen. Regelmäßig umrühren, damit sich der Honig verteilt. Frisch servieren, evtl. mit frisch geschlagener Sahne garnieren.

Wenn's stärker sein soll, kann man mit der Zugabe von Apfelbrandy bzw. Calvados (ersatzweise Rum) experementieren - oder mit der Zugabe von Orangenlikör - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. So macht auch der Winter Spaß!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Der Hamburg-Effekt - oder warum wir noch immer keine skandinavischen "Cider" verkaufen


Neulich ein paar Tage in Hamburg verbracht und in die Edekas vor Ort geschaut. Und siehe: Dort gibt es laut meiner nicht repräsentativen Marktforschung tatsächlich Cider. Ich habe neben einem Cider aus Irland insbesondere skandinavische Ware entdeckt: aus Schweden und vor allem aus Dänemark. Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, muss ich gerade zufällig an Rekorde denken, die man im Sommer aufstellt.
 

Wer wagt, gewinnt - oder auch nicht

Man muss nehmen, was man kriegt, sprach der eingefleischte Englandfan, und da ich mich in einer weltoffenen Metropole befand (und nicht in einem süddeutschen Weltdorf), beschloss ich, den Skandinaviern erneut eine Chance zu geben - und das war ein Fehler.

Verdünnter Kunst-Cider

Zuerst den Apple-Cider aus Dänemark getestet. Elendig süß, in einer mickrigen 0,33l-Dose, dazu fliegen einem die Aromastoffe förmlich um die Nase, sobald die Dose auf ist. Ein Kunstprodukt durch und durch. Es ist zwar kein Geheimnis, dass auch etliche englische Cider - gerade von großen Herstellern - mit Wasser und Industriezucker "aufgepeppt" werden, weshalb man gerne auch vom "Apfelschorle für Erwachsene" spricht. Doch die Zutatenliste des "Apple-Cider" ist ein Hingucker für sich:
 
Apfelwein (der folgendermaßen definiert wird: Wasser, Glucosesirup, Apfelsaft-Konzentrat - also das, was einen englischen Industriecider ausmacht), außerdem: Zucker, nochmals konzentrierter Apfelsaft, Kohlendioxid, Säuerungsmittel (Zitronensäure), natürliche Aromen, Konservierungsmittel (Kaliumsorbat - oder so ähnlich, ich konnte es nicht genau entziffern, weil so klein geschrieben), Farbstoff Ammoniak-Zuckerkulör.

 

Laut vieler Hersteller am besten mit Eis betäuben 

Und genauso, wie es sich liest, hat es auch geschmeckt - finde ich zumindest. Deshalb wahrscheinlich der peppig-flockige Vorschlag, das Ganze eisgekühlt zu kippen, das betäubt den Geschmacksnerv. Puritaner mögen vielleicht einwerfen, dass auch klassischer Cider nunmal kein Apfelwein in unserem Sinne ist, sondern ein Weinmischgetränk. Was soll man dann erst zum "Apple-Cider" aus Dänemark sagen? Hier wird der Cider nochmal ordentlich runterverdünnt und zusatzstoffversetzt, sodass unterm Strich nur noch ein Minimum an natürlichem Apfel (und auch nur an Konzentrat) enthalten ist. Ein "Apfelwein", der mit Apfelaroma versetzt werden muss, damit es nach Apfel schmeckt - abgefahren!

Für mich ist das unterm Strich jedenfalls ungefähr so, als würde man ein aromatisiertes Fruchtweinmischgetränk (Stichwort Maibowle) aus dem hiesigen Supermarkt unter dem Oberbegriff "Wein" labeln. 

Aber man ist ja hart im Nehmen: also noch die Sorten Ginger Lemon, Elderflower Lime und den Passionfruit-Cider aus Schweden probiert. Schmeckte alles ähnlich interessant wie der "Apple-Cider". Übrigens waren in den Produkten laut Zusatzliste weder Spuren von Elderflower (Holunder), Ginger (Ingwer) oder Passionfruit enthalten. Ich persönlich würde ja einen Hauch dieser Zutaten zugeben, damit man's wenigstens auf dem Etikett mit angeben kann. 

 

Gnadenlos ehrlich - wenn man es nur lesen könnte 

Apropo Etikett - einen Vorteil haben die Skandinavier: Sie geben wenigstens sämtliche Inhaltsstoffe an (im Gegensatz zu den meisten britischen Herstellern, die daraus ein ähnliches Geheimnis machen wie seinerzeit um den heiligen Gral), allerdings in einem derart kleinen Schriftformat, dass es auch mit Brille nur bei hellem Tageslicht halbswegs ordentlich gelesen werden kann - im abendlichen Hotel bei Zimmerlicht hatte ich ernsthafte Schwierigkeiten ... 

 

Cider - ein Universalbegriff 

Jedenfalls scheint der Begriff "Cider" nicht geschützt zu sein - eine tolle Sache: Jeder produzent kann das augenscheinlich so vermarkten (und größtenteils auch herstellen), wie er möchte - und jeder Kunde darf sich was anderes drunter vorstellen - wie praktisch! Vom skandinavischen Limonaden-alko-pop über diverse deutsche Streuobstwiesen-Cider (die rein geschmacklich mit klassisch-englischem Cider eher wenig zu tun haben) bis hin zu traditionellem Craft-Cider aus Somerset und Herefordshire.

Der geneigte Leser ahnt sicher, zu welcher Richtung wir von Cider and more tendieren. Oberster Grundsatz: Wir versuchen, eine möglichst große Bandbreite des britischen Cider-Sortiments im Sortiment wiederzuspiegeln – dazu gehören auch die stylischen Fruchtcider von Brothers, bei denen wir zugegebenermaßen auch nicht so recht wissen, was eigentlich drin ist. Aber das, was die Skandinavier da zum Großteil produzieren: Das ist nochmals eine Nummer für sich und meiner Ansicht nach eine Verballhornung des Begriffs "Cider". Und wenn jemand vor allem damit wirbt, wie toll das verwendete Quellwasser ist, dann ist das schon etwas seltsam. Ich halte es eher für selbstverständlich, dass das verwendete Wasser einwandfrei ist.

Und somit dürfte geklärt sein, warum wir von Cider and more Skandinavier außen vor lassen - Cheers!