Samstag, 15. Juni 2013

All Star Cider: Aspall Dry Premier Cru Suffolk Cyder

Cider, das ist Apfelwein, oder zumindest ein apfelweinhaltiges Getränk - soweit, sogut. Vom Herstellungsprocedere hat Cider mit Bier daher gar nichts zu tun, sondern wird vom Prinzip her genauso gekeltert wie Wein. Wie aber schaut es mit der Trinkkultur aus? In den meisten englischen Pubs ist der Cider-Zapfhahn neben den Bierhähnen obligatorisch, Cider wird ebenso wie Bier im Pint serviert - und wird in den gleichen Mengen getrunken wie Ale, da sich der Alkoholgehalt nur geringfügig unterscheidet. Fazit: Bei Cider sind Trinkkultur und Marketing eindeutig an der Zielgruppe der Biertrinker orientiert, Weintrinker stellen eine andere Liga dar.

Und hier schert Aspall als einer der wenigen Anbieter aus: Die Chevalliers haben es geschafft, Ihre Cider als ein Unikat zu platzieren, dass sich weder an der Bier- noch an der Weinkultur ausrichtet, sondern eigene Maßstäbe setzt. Dazu trägt die elitäre Firmengeschichte ebenso bei wie die Aufmachung der Flaschen: Aspall Cider ist schon rein optisch einzigartig, ein Versprechen auf wahren Cider-Genuss. Aspall Cyder, das ist etwas für Genießer, die bereit sind, etwas mehr auszugeben, und die Cider nicht unbedingt in Massen trinken, sondern eher in Maßen (nein, die bayerische Maß ist nicht gemeint).

Aspall Dry Premier Cru Suffolk Cyder
Womit wir nach dieser zugegebenermaßen langen Einleitung zu einem klassischen Aspall kommen: Der Dry Premier Cru mit 7% vol. Der Aspall Dry Premier Cru ist das Flaggschiff der Chevalliers, mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als 'World's Best Cider' 2008. Vergeben wurde der Preis vom Beers of the World Magazine. Da stellt sich die Frage, ob sich ein Biermagazin dazu hinreißen lassen sollte, Cider zu bewerten - siehe Trinkkultur, weiter oben. Aber die Tester haben ins Schwarze getroffen, vorausgesetzt, man steht auf Fruchtsäure: Die meisten Aspall-Cider fallen als klassische Eastern-Style-Cider durch Ihren hohen Fruchtsäuregehalt auf, so auch der Dry Premier Cru.

Der blassgolden-strohfarbene Cru moussiert nur leicht, dafür aber verflüchtigt sich der geringe Kohlensäureanteil nicht, sondern schafft seinen Weg zum Gaumen, was für eine erfrischende Spritzigkeit sorgt und hervorragend mit dem ausgewogenen Säureanteil harmoniert. Tannine, also bittere Geschmacksstoffe, die dem Cider oft einen erdigen Anstrich verleihen, sucht man vergeblich, da für diesen Cider vorrangig Tafeläpfel verarbeitet werden, keine Mostäpfel. Der Geschmack ist trocken-elegant, aufgrund besagter Säure jedoch nicht zu trocken, das Finish langanhaltend, mit einer dezent blumigen Note. Zu sagen, dass dieser Cider ein wenig an Champagner erinnert, wäre vielleicht vermessen; was wir aber mit Sicherheit sagen können, ist, dass der Premier Cru unserer Meinung nach der "Prosecco" unter den Cidern ist, und das im allerbesten Sinn: elegant, spritzig und trotz seiner 7% nicht zu schwer. Dieser Cider ist von Weltklasseformat - und zu recht ein Cider and more All-Star-Cider.

Die All-Star-Cider von Cider and more: Mit diesem Titel wollen wir diejenigen Cider auszeichnen, von denen wir glauben, dass sie durch und durch nicht nur empfehlenswert, sondern einsame spitze sind - und dabei geben wir uns nicht mit abgedroschenen Phrasen wie "Premium" (prangt inzwischen auch auf den billigsten Pennerbomben) oder "Vintage" zufrieden.

weitere All-Stars:

Freitag, 14. Juni 2013

Cider: Daten und Fakten

Wussten Sie eigentlich, dass ...
  • ... in Großbritanniens Pubs jährlich 1,5 Millionen Pints Cider über die Theke wandern?
  • ... Cider beim Gesamtkonsum alkoholischer Getränke in UK einen Marktanteil von 9 Prozent aufweist?
  • Quelle: NACM
    Quelle: NACM
  • ... englische Cider-Hersteller jährlich 250.000 Tonnen Äpfel verbrauchen (davon stammen 200.000 Tonnen aus Großbritannien)?
  • ... 57% aller britischen Äpfel in die Cider-Produktion wandern?
    Quelle: NACM
    Quelle: NACM
 Diese und weitere interessante Fakten rund um den Cider hat die National Association of Cider Makers (NACM) in einem pdf zusammengetragen und grafisch ansprechend aufbereitet - wobei auch einiges an Eigenlob untergebracht wurde. Den kompletten Bericht gibt's unter:

Freitag, 7. Juni 2013

Apple hilft dem Cider auf die Sprünge

Im Februar 2013 berichtete Spiegel online in seiner Rubrik Netzwelt über einen genervten Apple-Shop-Betreiber aus Norfolk, der vor dem Wandel der Zeit kapitulierte und seinen Laden in Cider-Shop umbenannte. Der Grund: der Mann verkauft zwar Apfelprodukte, aber solche ohne Kabel oder Akku. Mehr dazu gibt's bei spiegel.de bzw. beim Spiegel-Blog.

Uns kann es nur recht sein, wenn der "Apple" dem "Cider" weicht. Apropo Sprachwirrwarr, was Lebensmittel und Kommunikations-Technik betrifft: Dazu gibt es ein höchst amüsantes Video - natürlich aus England:


Donnerstag, 30. Mai 2013

Ihr habt's doch diesen Cidre ... Teil 2

Ja, haben wir!!! Wir waren nämlich dieses ständige Gefrage unserer netten Bekannten leid: "Und, wie läuft's mit dem Cidre?" Vor allem mein Schwiegervater ist da ungemein renitent, da gibt's dann auch schonmal "Cidere" [sprich: si:dere] - aber lassen wir das, abgesehen davon ist mein Schwiegervater nämlich ein echt klasse Typ, einer von der Sorte, der zum Grillabend spontan Spareribs mitbringt (O-Ton: "als Nachtisch, hab' i mir gedacht") - dazu gibt's dann ein paar Cider oder von mir aus auch Sidere - Männerherz, was willst Du mehr?

Aber ich schweife ab - vielleicht liegt's auch am Wetter, dass einen ordentlichen Grillabend mit aller Gewalt verhindern will. Zurück zum Thema: Wir haben tatsächlich diesen Cidre ins Sortiment aufgenommen. Da fragt sich der wahre England-Freund vielleicht: Spinnt Ihr? Kann schon sein, aber damit blieben wir unserer englischen Linie treu, sprich: dem Hang zum Skurrilen. Warum also Cidre? Erstens: Als echter England-Freund ist man natürlich liberal und kann durchaus auch einen gönnerhaften Blick auf den Kontinent werfen: Echten Cider werden die niemals hinbekommen, aber vielleicht produziert man dort dennoch etwas trinkbares aus Äpfeln. Zweitens, und das ist der eigentliche Grund: Wer Cidre sucht und bei uns landet, der wirft vielleicht auch einen Blick auf unsere Cider und lässt sich womöglich bekehren - zum einzig wahren Cider ... Cheers!

Montag, 20. Mai 2013

Wychwood: Marketing ist (fast) alles ...

Jüngst bin ich beim Durchforsten englischer Ciderseiten nach längerem wieder einmal auf die Homepage von Wychwood gestoßen (aus der Zeit, als wir noch Bier im Sortiment hatten) - und ich muss sagen: Wenn jemand weiß, wie man ein Image pflegt, dann sind es die Marketing-Experten von Wychwood! Kleines Beispiel gefällig? Einfach auf die Homepage gehen:


die obligatorische Alterseingabe bei englischen Alkohol-Webseiten ausfüllen und die volle Version wählen - und man landet in einer magischen, unheimlich liebevollen und detailreich gestalteten Webwelt, im virtuellen Wychwood Forest. Viel Spaß beim Durchstöbern!

Green Goblin Cider


Wer es nicht weiß: Green Goblin Cider wurde ursprünglich zusammen von Wychwood und Thatchers ins Leben gerufen und von Wychwood sehr erfolgreich vermarktet. Inzwischen liegt der Green Goblin ganz bei Thatchers, die in Sachen Marketing und Imagepflege nicht immer so erfolgreich nach den Sternen greifen wie Wychwood, trotz ihres Spitzenciders - aber das ist nur meine bescheidene, persönliche Meinung ... Hauptsache, er schmeckt, der Green Goblin - Cheers!

Sonntag, 12. Mai 2013

Cider-Map: Hersteller im Überblick

Neulich bei real-cider.co.uk gefunden: Eine Cider-Map, auf der eine Unmenge an britischen Herstellern eingetragen sind - ideal für den nächsten Cider Urlaub und eine Erweiterung für die bereits vorhandene Somerset-Cider-Map. Simpel gestrickt, aber sehr detailliert: selbst in Cumbria finden sich zwei Tipps.

Und hier geht's zur Karte:

Cider map of UK makers and outlets

Dienstag, 7. Mai 2013

All Star Cider: Henney's Dry Cider

Ab sofort bieten wir eine neue Rubrik an: die All-Star-Cider von Cider and more. Mit diesem Titel wollen wir diejenigen Cider auszeichnen, von denen wir glauben, dass sie durch und durch nicht nur empfehlenswert, sondern einsame spitze sind - und dabei geben wir uns nicht mit abgedroschenen Phrasen wie "Premium" (prangt inzwischen auch auf den billigsten Pennerbomben) oder "Vintage" zufrieden.

Den Anfang macht ein "Nischenprodukt" in unserem Sortiment: Henney's Dry Cider. Für Mike Henney war es nicht mehr als ein Hobby, als er 1996 seinen ersten Cider produzierte: Gerade einmal 20 Liter waren es, die in der Waschküche fermentierten - was dem Cider scheinbar recht gut bekam. Inzwischen hat sich Henneys mit einem kleinen, aber feinen Sortiment auf dem britischen Markt etabliert und produziert über 800.000 Liter jährlich - wenn auch nicht mehr in der Wäschekammer.

Aber zurück zum Cider selbst: Henney's Dry ist gewissermaßen ein "Urtyp" britischer Ciderkultur: trocken, säuerlich, bittersweet im Abgang; ungemein gehaltvoll und trotzdem puristisch: Dieser Cider konzentriert sich auf das wesentliche, nämlich den vergorenen Apfel. Bereits das Bukett ist eine Verheißung, bei der einem die Tannine entgegenfliegen. Der Kohlensäuregehalt ist angenehm unaufdringlich, aber spürbar vorhanden - diese Cider fällt nicht nach drei Minuten in sich zusammen. Das Finish ist ausgesprochen langanhaltend, hier kommt deutlich zum Ausdruck, dass der "Dry" wie alle Cider von Henneys ausschließlich aus frischen Äpfeln gepresst wird, die aus Herefordshire stammen. 100 Prozent Apfel: Das schmeckt man. Doch Vorsicht: Wer vor allem die bekannten, eher süßen aber ausdrucksschwachen Discountcider gewöhnt ist, der wird vor Henneys möglicherweise erst einmal zurückschrecken.

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