Donnerstag, 23. März 2017

Cider in London: was geht?

Neulich waren meine Frau und ich für 5 Tage in London gewesen - nicht dienstlich oder in ausschließlicher Cider-Mission, sondern zum klassischen Sightseeing. Aber klar, als Cider-Händler läuft man mit entsprechend offenen Augen durch die City und hat hohe Erwartungen: London, da muss doch was gehen in Sachen Cider! Schauen wir mal...

 

Fruchtcider ahoi!

Erste Station: Paddington Station, dort kommt man in aller Regel an, wenn man von Heathrow aus mit dem Zug ins Zentrum fährt. Und dort gibt es auch "The Beer House", die neben Bier auch Ihre Cider-Karte bewerben. Auf dieser fanden sich Bulmers sowie mit Brothers und Old Mout zwei Fruchtcider. Aus dem Zapfhahn kam - Kopparberg (Erdbeere, glaube ich). Also genau ein einziger normaler Cider.

 

Skandinavien hat die Nase vorn

In Londoner Supermärkten dominieren Fruchtcider, hier
das Angebot eines Tesco-Marktes in der City.
Weiter geht's in den nächsten Supermarkt, in dem Fall Sainsbury. Dort gab es Rekorderlig, Kopparberg, Old Mout, Strongbow, Bulmers - und, immerhin, Thatchers Gold. Auch hier dominierten Fruchtcider, vor allem die vom Kontinent: Schweden, Dänemark und Belgien (dort wird Old Mout in Lizenz hergestellt). Von traditioneller Cidervielfalt also erneut nichts zu sehen, weitere Innenstadt-Supermärkte, in denen wir waren, waren ähnlich aufgestellt.

Wer jetzt glaubt, dass der Kopparberg-Zapfhahn ein Ausrutscher war, der irrt: Wir waren in einem knappen Dutzend Pubs, und in vielen davon war Kopparberg der Zapfcider. Vielleicht bin ich etwas altmodisch, aber für mich ist das so, als wenn bei uns kein Bier mehr ausgeschenkt wird in den Kneipen, sondern nur noch Radler. In anderen Pubs gab es immerhin Cornish Orchards. Klingt erstmal Klasse, Cider aus Cornwall, aber: "In 2013 the company sold in a multimillion-pound deal to a London brewing and pubs group, Fuller, Smith and Turner. It continues to trade under the same name." (Quelle: Wikipedia). Fuller gehört zu den Platzhirschen des Londoner Biermarktes. Von daher wundert es nicht, dass der Cornish Orchard in vielen Pubs zu finden ist, entsprechend mainstreamlastig schmeckt er auch (recht süß, nur wenig Aroma).

 

Vielfalt auf dem Markt

Cidervielfalt am Borough Market
In den besseren Kaufhäusern bzw. Lebensmittelgeschäften der Stadt (Harrots, M&S, Fortnum & Mason) wiederum fandem wir das andere Extrem vor: Eigenmarken bzw. exquisite lokale Hersteller aus England, z.B. Burrow Hill, allerdings jeweils nur wenige Sorten. Richtig fündig wurden wir hingegen auf dem Borough Market, genauer gesagt beim dortigen Cider House (das eigentlich ein großer Stand ist). Gezapft wird New Forest Cider, außerdem sind dutzende, qualitiativ hochwertige Flaschensorten erhältlich.

 

Nur Insider finden Cider

Es gibt richtig gute Cider-Pubs in London, keine Frage, eine Liste dazu gibt es hier: https://www.timeout.com/london/bars-pubs/londons-best-cider-pubs Und so mancher großer Vorort-Supermarkt ist sicher ebenfalls entsprechend gut aufgestellt, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Fakt ist aber: Der Durchschnittstourist läuft am ehesten den skandinavischen Fruchtcidern in die Arme, gefolgt von Bulmers, Magners und Strongbow. Versteht mich nicht falsch, ich will niemandem seinen geliebten Fruchtcider madig machen, erst recht nicht die weltbekannten Marken, die die Bannerträger der Ciderverbreitung darstellen. Aber dass ausgerechnet London in Sachen Vielfalt dann doch eher schwach aufgestellt ist und derart stark von ausländischen Fruchtcidern dominiert wird, das hat uns schon überrascht.

Immerhin - versöhnt wurden wir beim Abflug ausgerechnet im Flughafen-Pub: Dort gab es Aspall vom Fass :-)

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